bibliomedia

Posts Tagged ‘Bibliothekspolitik’

Neue Entwicklung in den USA und UK: Privatisierung Öffentlicher Bibliotheken

In Bibliotheksentwicklung, Bibliotheksorganisation on 15 Juli 2011 at 08:26

Vergangenen September übernahm die Firma LSSI („The Library Systems and Services“) die Leitung dreier Öffentlicher Bibliotheken in Kalifornien. Diese unterstanden vorher den Los Angeles Bezirksbibliotheken, nun werden sie neu von der privaten Firma LSSI geleitet.

Public Private Partnership (PPP) heisst diese Art der Bewirtschaftung kommunaler Einrichtungen. Der private Betreiber erhält einen Betrag für das Management und Personal der Bibliothek, der unter dem ursprünglich budgetierten Etat der Gemeinde oder Stadt liegt. Damit spart die Gemeinde Kosten ein, bleibt weiterhin die Eigentümerin der Bibliothek, gibt deren Betrieb aber in kommerzielle Hände.

Durch die Übernahmen von Bibliotheken durch private Betreiber erhofft man sich nicht nur eine Senkung der laufenden Kosten, sondern auch innerbetriebliche Verbesserungen und innovative Veränderungen durch neue Ideen der privaten Betreiber.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die sagen, dass fortan nur noch schlecht ausgebildetes und somit kostengünstigeres Personal eingesetzt würde, dass sich die Anschaffungspolitik verändern wird (sprich: fortan nur noch Bestseller und seichte Literatur eingekauft werden), und vieles nur noch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit gesehen wird.

LSSI hält dagegen, dass sie talentierte, motivierte und gut ausgebildete BibliothekarInnen suchen, die nach Leistung und Erfolg bezahlt werden und somit ein hohes Dienstleistungsniveau erbringen. „Im öffentlichen Bibliotheksbereich“, schreibt Frau Klauser,  gäbe es, „was Managementmethoden, Kundenorientierung, und Marketing betrifft, … noch einiges aus privatwirtschaftlich geführten Einrichtungen zu lernen“. Es sei „an der Zeit und notwendig, sich angesichts der desolaten Finanzlage vieler Kommunen … mit den verschiedenen Modellen und ihren Vor- und Nachteilen zu beschäftigen, um wirtschaftlich tragfähige und attraktive Alternativen parat zu haben“ (S. 292).

Die ganze spannende Entwicklung der Privatisierung von Bibliotheken kann hier nachgelesen werden:                                                                                             

– BuB (Forum Bibliothek und Information) 04/2011: Klauser, Hella: „Auf dem Weg zu McBib: Die Privatisierung Öffentlicher Bibliotheken schreitet in den USA voran. Nicht nur klamme Kommunen greifen zu“. S. 287-292.

Claudia Kovalik

UNESCO/IFLA Multicultural Library Manifesto

In Uncategorized on 10 November 2009 at 08:11

Vier Jahre lang engagierte sich die IFLA-Arbeitsgruppe „Library Services to Multicultural Populations“ nach Erarbeitung des „IFLA Multicultural Library Manifesto – The Multicultural Library – gateway to a cultural diverse society in dialogue“ bis die UNESCO am 15. Oktober das Papier als UNESCO-Dokument anerkannt hat. Damit liegt nun ein Basispapier vor, das den Rahmen für die interkulturelle Bibliotheksarbeit absteckt. Bibliotheken weltweit sind angehalten, die im Manifest formulierten Grundsätze umzusetzen und Angebote zu entwickeln resp. zu machen.
Mit einem Ausländeranteil von über 20% ist die Schweiz, in der Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen und Sprachräumen wohnen, im wahrsten Sinne des Wortes multikulturell. Schweizer Bibliotheken sind gefordert, wo immer nötig einen Beitrag zu leisten – sei es mit Büchern in Fremdsprachen, die ein Stück Heimat in der Fremde bedeuten, sei es mit Information und Angeboten für den Erwerb der deutschen Sprache im Sinne der Integration. Das UNESCO/IFLA-Manifest bietet dafür den verbindlichen Rahmen und legitimiert ein entsprechendes Engagement.

Ruth Fassbind