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Lesen und Fussballspielen – das Projekt „kicken & lesen“ hat Erfolg!

In Lesen on 22 Juli 2011 at 13:07

Das Projekt „kicken & lesen“, das seit 2007 erfolgreich in Baden-Württemberg läuft, richtet sich an 10-14-jährige Jungen aus bildungsfernen Familien und/oder mit Migrationshintergrund. Ziel des Projekts ist es, Lese- und Integrationsförderung zu betreiben – auf eine Art, die bei Jungen dieser Altersgruppe ankommt und auch Nichtleser zum Lesen motiviert. Denn dass eine gute Lesekompetenz die Chancen bei der Berufsfindung und der sozialen Integration erhöht, ist mittlerweile überall bekannt.

Eine pädagogische Fachperson, die die Lesestärke der Jungen einschätzen kann, wählt 10-15 Teilnehmer aus, die sich nach der Schule treffen um in kleiner Runde gemeinsam zu Lesen und Fussball zu spielen. Ausdrücklich von der Projektleitung erwünscht ist eine Zusammenarbeit von Vereinen, Bibliotheken, Jugendförderungsprojekten, kirchlichen Institutionen usw. mit Schulen.

Die Hemmschwelle, in geselliger Runde zu lesen, die durch gerade für Jungen so wichtige körperliche Aktivität unterbrochen wird, ist deutlich niedriger als wenn jeder alleine für sich zu Hause lesen müsste.

Das Projekt hat bereits viele nicht minder erfolgreiche Nachahmer gefunden, so z.B. die Idee einer Projektleiterin, die Fussball gegen Karate austauschte und mit Drachen- und Kampfsportbüchern unterbrochen von schweisstreibenden Karate-Lektionen ihre jungen Leser zu motivieren wusste.

Weitere Infos zum Projekt „kicken & lesen“ finden Sie unter folgender Adresse:

www.kickenundlesen.de

 Claudia Kovalik

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Neue Entwicklung in den USA und UK: Privatisierung Öffentlicher Bibliotheken

In Bibliotheksentwicklung, Bibliotheksorganisation on 15 Juli 2011 at 08:26

Vergangenen September übernahm die Firma LSSI („The Library Systems and Services“) die Leitung dreier Öffentlicher Bibliotheken in Kalifornien. Diese unterstanden vorher den Los Angeles Bezirksbibliotheken, nun werden sie neu von der privaten Firma LSSI geleitet.

Public Private Partnership (PPP) heisst diese Art der Bewirtschaftung kommunaler Einrichtungen. Der private Betreiber erhält einen Betrag für das Management und Personal der Bibliothek, der unter dem ursprünglich budgetierten Etat der Gemeinde oder Stadt liegt. Damit spart die Gemeinde Kosten ein, bleibt weiterhin die Eigentümerin der Bibliothek, gibt deren Betrieb aber in kommerzielle Hände.

Durch die Übernahmen von Bibliotheken durch private Betreiber erhofft man sich nicht nur eine Senkung der laufenden Kosten, sondern auch innerbetriebliche Verbesserungen und innovative Veränderungen durch neue Ideen der privaten Betreiber.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die sagen, dass fortan nur noch schlecht ausgebildetes und somit kostengünstigeres Personal eingesetzt würde, dass sich die Anschaffungspolitik verändern wird (sprich: fortan nur noch Bestseller und seichte Literatur eingekauft werden), und vieles nur noch unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit gesehen wird.

LSSI hält dagegen, dass sie talentierte, motivierte und gut ausgebildete BibliothekarInnen suchen, die nach Leistung und Erfolg bezahlt werden und somit ein hohes Dienstleistungsniveau erbringen. „Im öffentlichen Bibliotheksbereich“, schreibt Frau Klauser,  gäbe es, „was Managementmethoden, Kundenorientierung, und Marketing betrifft, … noch einiges aus privatwirtschaftlich geführten Einrichtungen zu lernen“. Es sei „an der Zeit und notwendig, sich angesichts der desolaten Finanzlage vieler Kommunen … mit den verschiedenen Modellen und ihren Vor- und Nachteilen zu beschäftigen, um wirtschaftlich tragfähige und attraktive Alternativen parat zu haben“ (S. 292).

Die ganze spannende Entwicklung der Privatisierung von Bibliotheken kann hier nachgelesen werden:                                                                                             

– BuB (Forum Bibliothek und Information) 04/2011: Klauser, Hella: „Auf dem Weg zu McBib: Die Privatisierung Öffentlicher Bibliotheken schreitet in den USA voran. Nicht nur klamme Kommunen greifen zu“. S. 287-292.

Claudia Kovalik